Der Mann, der Italien das Fliegen lehrte
Es gibt einen Abend im Januar 1958 im Ariston von Sanremo, der für immer in die Geschichte der italienischen Musik eingehen wird. Ein Cantautore aus Apulien betritt die Bühne, die Augen weit aufgerissen und die Arme zum Himmel gestreckt, und stimmt etwas an, das so noch niemand gehört hat: ein Lied, das wie ein Traum beginnt und wie ein Flug endet. Als Domenico Modugno „Volare, oh oh, cantare, oh oh oh oh“ singt, hört das Sanremo-Festival auf, ein Wettbewerb zu sein, und wird zu einem ewigen Moment.
Modugno wurde am 9. Januar 1928 in Polignano a Mare in Apulien geboren: ein Dorf aus weißem Stein, das sich an die Klippen der Adria klammert, wo der Wind und das Blau des Meeres überall eindringen. In diesem apulischen Licht hat er vielleicht gelernt, den Blick nach oben zu richten. Als Sohn eines Carabinieri-Marschalls zog er als Kind mit seiner Familie nach San Pietro Vernotico; als Jugendlicher träumte er davon, zu schauspielern und zu singen, bis er in Rom seinen Weg zwischen dem Centro Sperimentale di Cinematografia und den Theaterbühnen fand.
Dann kam Sanremo 1958. „Nel blu dipinto di blu“ – in einer Sommernacht gemeinsam mit Franco Migliacci geschrieben, inspiriert von einem Traum und den an der Wand einer römischen Wohnung hängenden Gemälden von Chagall – gewann das Festival und revolutionierte die weltweite Musikindustrie. Der Titel verkaufte sich über 22 Millionen Mal, gewann zwei Grammy Awards (Record of the Year und Song of the Year), vertrat Italien beim Eurovision Song Contest und stürmte die amerikanischen Charts. Zum ersten Mal eroberte ein italienischer Sänger die Herzen der ganzen Welt.
Doch Modugno war keine flüchtige Erscheinung: Er war ein Gesamtkünstler. Er gewann Sanremo erneut 1959 mit „Piove (Ciao ciao bambina)“, 1962 mit „Addio… addio…“ und 1966 mit „Dio, come ti amo“. Vier Siege, vier verschiedene Epochen, eine einzige unverwechselbare Stimme: rauchig, warm und fähig, gleichzeitig die Melancholie des Südens und die pure Lebensfreude zu verkörpern.
Das Leben verschonte ihn nicht: Ein Schlaganfall im Jahr 1984 ließ ihn halbseitig gelähmt zurück. Mit Beharrlichkeit kehrte er auf die Bühne zurück, kehrte 1993 nach Polignano zurück und wurde von 68.000 Menschen wie ein verlorener Sohn empfangen. Er starb am 6. August 1994 in Lampedusa, umgeben vom Meer, das er immer geliebt hatte.
Heute verewigt ihn eine drei Meter hohe Bronzestatue in Polignano a Mare, die Arme über dem Meer ausgebreitet, im ewigen Flug. Er ist der erste Liedermacher der italienischen Musikgeschichte: nicht nur derjenige, der die Lieder schrieb, die er sang, sondern derjenige, der sie lebte, verkörperte und ins Blaue warf.
Kurzübersicht
Geboren am: 9. Januar 1928, Polignano a Mare (BA)
Verstorben am: 6. August 1994, Lampedusa
Siege in Sanremo: 1958 · 1959 · 1962 · 1966
Symbolisches Lied: Nel blu dipinto di blu (Volare)
Auszeichnungen: 2 Grammy Awards (1959): Record of the Year und Song of the Year
Wissenswertes: Erster Liedermacher der italienischen Musikgeschichte